Manchmal ist es so, dass der Mensch sich gewaltig überschätzt. Dass er denkt, er könne alles und das nahezu perfekt. Genau so habe auch ich am Anfang meiner Reisewoche gedacht. Die baz bietet mir eine Woche bezahlte Ferien, und dann darf ich erst noch von meinen Erlebnissen berichten? Klingt doch schon ganz nach Wunschtraum! Ich wollte eine unglaubliche Story liefern. Doch irgendwie ist nicht das daraus geworden, was mir konkret vorgeschwebt hat.
Ich setzte mir eigentlich zwei Themen. Erstens wollte ich den Einwohnern und den Touristen in der Schweiz auf den Zahn fühlen und mit ihnen verschiedenste Konversationen führen. Doch wie bringt man solche Begegnungen und Gespräche in einem kurzen Zeitungsbericht und wenigen Bilder rüber?
Ich habe so viele nette Menschen getroffen und gemerkt, dass die Schweizer und Schweizerinnen sehr hilfsbereit sind, wenn man einmal nicht mehr weiter kommt oder vergeblich versucht, ein Zelt aufzustellen. Zu letzterem muss ich sagen, dass ich bis anhin noch nie ein Zelt aufgestellt hatte oder gar in einem übernachtet. Das war also eine Premiere für mich.
Weiter habe ich mich mit ein paar Taiwanesinnen auf dem Titlis angefreundet und mit ihnen einige Worte gewechselt. Sie haben sich sehr über meine wenigen Brocken "Mandarin" gefreut.
Im Kanton Graubünden traf ich eine zukünftige Mitstudentin von mir. Sie erzählte mir, wie schwierig es für eine Engadinerin sei, Anschluss in einer grösseren Stadt zu finden. In Zürich zum Beispiel würde sie nie leben können, denn sie habe Angst, in der Menge unterzugehen.
In Lugano hatte ich eine etwas andere Begegnung mit einem Tessiner. Die Luganesi sind ziemlich italienisch angehaucht und kennen somit fast keine Grenzen, was den Kontakt zu ihren Mitmenschen angeht. Aufdringlichkeit und Körperkontakt stehen im Vordergrund.
Das zweite Motto meiner Reise war, "Ich wollte schon immer einmal nach…".
Auf der Schweizerkarte fand ich das kleine Dorf La Sagne und ich sagte mir, hey das muss ich einmal gesehen haben und wenn es dort erst noch Lasagne zu essen gibt, bekommt das Dorf volle fünf Sterne von mir. Doch daraus wurde nichts. Ich stieg ein Dorf zu früh aus und bemerkte erst, als ich wieder am Bahnhof unten auf den Zug wartete, dass ich in La Sagne- Eglise und nicht in La Sagne gelandet war.
Die kleine Stadt Zug, interessierte mich auch schon etwas länger. Da ist man doch schon einmal um den ganzen Erdball geflogen, war aber noch nie in Zug.
Schlitteln im Sommer, wo kann man das schon? Es war für mich ein einmaliges Erlebnis, mitten im heissen Juli auf dem Titlis, 3000 Meter über Meer, Spass im Schnee zu haben.
Irgendwie lief auch ständig etwas schief, zweimal vergass ich die Badehose im Schliessfach, in Davos verpasste ich den Shuttlebus, der mich auf die Schatzalp bringen sollte und, wie schon erwähnt, das mit dem Campieren hat auch nicht so einwandfrei geklappt.
Auf meiner Reise begleitete mich ständig mein Notebook und ich hielt meine Erlebnisse etwas detaillierter in meinem Weblog fest. Hätte ich im Vornherein gewusst, dass dies so ein Stress ist, hätte ich es wohl lieber unterlassen und diese eine Woche Ferien in vollen Zügen genossen.
Ich bin der
baz zu grossem Dank verpflichtet, denn ich habe in diesen sechs Tagen mehr gelernt als in vielen Wochen.
